Großer Brauner Rüsselkäfer - Schaden und Bekämpfung

In den letzten Wochen haben sich vermehrt Waldbesitzer in der Geschäftsstelle gemeldet, die Schäden an Ihren bis dato einwandfreien Nadelholzkulturen feststellten. Dabei handelt es sich um Fraßschäden des Großen Braunen Rüsselkäfers ( Hylobius abietis ). Bisher wurden die Jungpflanzen in der Baumschule in Pflanzenschutzmittel getaucht. Dies ist aus arbeitschutzrechtlichen Gründen ab jetzt nicht mehr möglich!

Lebensweise und Schaden

Der Große Braune Rüsselkäfer bewegt sich vor allem im Mai fliegend, in der übrigen Zeit träge laufend. Die Eier werden während der gesamten Vegetationsperiode, die von Mai bis September stattfindet, an Baumstümpfen abgelegt. Die daraus entstehenden Larven entwickeln sich im Bast der toten Stöcke, bzw. deren Wurzeln. Die Entwicklungsdauer vom Ei bis zum fertigen Käfer beträgt etwa 1 - 2 Jahre. Die Lebensdauer des Käfers etwa 2 - 3 Jahre. Ausschließlich der voll entwickelte Käfer verursacht die Fraßschäden. Er frisst das ganze Jahr über an der Rinde vor allem von Jungpflanzen. Besonders gefährdet sind demnach Aufforstungen mit Nadelgehölzen oder  deren Naturverjüngung. Wird dabei die Rinde auf großer Fläche zerstört oder geringelt, sterben die Pflanzen schnell ab. Der Höhepunkt der Fraßaktivität ist meist im Mai und Juni zu beobachten. Aber auch in den Folgemonaten bis September ist der Käfer aktiv. Betroffen sind alle Arten von Nadelgehölzen, er bevorzugt in gemischten beständen Fichte, Kiefer, Lärche und Douglasie. Der größte Schaden entsteht aber bei Reinaufforstungen mit Fichte. Ein Plus an Widerstandsfähigkeit ist bei Naturverjüngung zu beobachten. Eine massenhafte Vermehrung des Schädlings ist eben aufgrund seiner Fraßgewohnheiten nach größeren Schadensereignissen wie Sturm oder Schneebruch, bzw. Kahlschlägen nach Borkenkäferkalamität zu befürchten.

Maßnahmen zur Bekämpfung

1. Schlagruhe

Aufforstung von Kahlflächen erst nach 3 - 4 Jahren, da nach diesem Zeitraum kein bruttaugliches Material vorhanden ist. Ein natürlicher Rückgang der Rüsselkäferpopulation ist die Folge. Der Zeitraum verlängert sich, sollten in dieser Zeit weitere Bäume im Bereich absterben oder gefällt werden!

Vorteil: keine Kosten

Nachteile: Produktionsausfall; Bei zu früher Wiederaufforstung können trotzdem Schäden auftreten; Verunkrautung der Fläche

2. Fangrinden

Voll im saft stehende Rindenteile ( ca. 20X30 cm) werden Bast auf Bast gefaltet und mit Steinen beschwert auf die Fläche gelegt; diese Rinden sind für den Käfer attraktiver als Jungpflanzen; ca. 6 - 10 Fangrinden pro Hektar, angepasst an den Populationsdruck;

Arbeitsweise: Entfernen der Bodenvegetation , Beschweren der Rinde mit Steinen, Markieren mit Pflock wg. Wiederauffinden, Wöchentliche Kontrolle der Rindenteile am besten morgens, da die Käfer bei Kälte träge sind; Entfernen der Käfer; Eine Begiftung der Rindenteile ist möglich;

Fangrinden sind 2 - 4 Wochen lang fängisch; bei hohen Fangzahlen sollte zweite Aktion gestartet werden;

Vorteile: höhere Attraktivität als Forstpflanzen; im Fall von unbegifteten Fangrinden, kein giftiger Wirkstoff

Nachteile: relativ hoher Arbeitsaufwand; im Fall von begifteten Fangrinden, giftiger Wirkstoff

3. Chemische Bekämpfung

Jungpflanzen werden vor dem Setzen in ein zulässiges Pflanzenschutzmittel getaucht, über dem Tauchfass übergossen oder nach dem Setzen besprüht.

Vorteile: Tauchverfahren ist kostengünstig ( nur wenn nicht durch Erde verunreinigt!), Mittel wirksam auch gegen andere mögliche Schädlinge ( Kupferstecher)

Nachteile: Spritzverfahren ist teuer; Käfer sterben erst durch Fraß an Pflanzen ab, bei hohem Befallsdruck trotzdem Ausfälle; Wirkstoffe der Mittel sind giftig

 Merkblatt LWF "Großer Brauner Rüsselkäfer"